Philipp Munzert

Er schreibt über Methoden, Bücher und Software-Entwicklung.

Donnerstag, 4. Oktober

Die Gefahr von Superhelden im Team

Warum es Zeit wird über Workaholics und Superhelden kritisch nachzudenken

Jedes Team kennt sie – selbsternannte Helden des Arbeitsalltag, die vermeintlich perfekten Teamplayer. Regelmäßig finden sich Jobbörsen und Stellenanzeigen die bekannten Buzzwords wie “Superhelden“, “Coding-Rockstars” und “Ninjas”. 

Was falsche Superhelden auszeichnet

Unternehmen erschaffen regelmäßig diese Superhelden-Bilder. Kulturen in denen Workaholics bejubelt werden tragen nicht selten stark dazu bei. Dabei vergisst man jedoch oft grundlegende Dinge:

Working more doesn’t mean you care more or get more done. It just means you work more. Workaholics wind up creating more problems than solutions. 

Jason Fried, Rework

Kollegen, die mal wieder länger sitzen und für sich den Perfektionismus beanspruchen, aber eigentlich nichts anderes tun, als unnötige Details zu optimieren. Nicht selten, sind sie der Meinung, dass sie ihr Team gerade mal wieder im Alleingang gerettet haben. Sie erledigen den Hauptteil der Arbeit, können alles mindestens ein kleines bisschen besser und andere Teamkollegen behindern grundsätzlich eher Ihren Erfolg. Keiner ist ihnen ebenbürtig, geschweige denn versteht etwas von den eigentlich unlösbaren Problemen, die sie gerade wieder einmal lösen. Genau das sind die Superhelden ist unserem Arbeitsalltag jeder ist ihnen schon einmal begegnet, entweder als Kollege oder Projektpartner. Aus der eigenen Perspektive sicherlich eine sonnige und wohl verdiente Spitzenposition, im Hinblick auf die Teamkultur jedoch durchaus eine sehr große Gefahr. Durch Alleingänge und ihren ständigen Wunsch nach Anerkennung torpedieren sie die eigentlichen Werte, die ein Team teilen sollte:

  • Demut – Man kann und wird nicht alles wissen
  • Respekt vor der Arbeit der anderen
  • Ständige Bereitschaft Wissen zu teilen

Diese drei Werte sind für uns eine nachhaltige Grundlage für eine funktionierende Teamkultur. Gerade in der heutigen Welt können Teamstrukturen über den Erfolg eines ganzen Unternehmens entscheiden.  Das Verständnis für einander bringt Lösungen hervor, die ein Einzelner nie bedenken bzw. erahnen kann.

Probleme nicht mit Zeit bewerfen

Jeder kennt Probleme, die uns länger fordern als gedacht. Es entstehen schnell die Gedanken, “Ich habe schon soviel Zeit investiert, ich kann jetzt nicht aufhören.” Genau hier entscheidet sich, ob man in den Superhelden-Modus wechselt oder nicht. Verbittert versucht man die Aufgabe zum Laufen zu bekommen, vergräbt sich und denkt nicht daran andere um Rat zu fragen. Aufhören wird oft mit Aufgeben oder gar Scheitern verglichen. Aber genau das ist der Fehler. Wenn aus geplanten 2 Stunden, schnell 16 Stunden werden, sollte man relativ schnell ans Aufhören denken. Die Gefahr noch mehr wertvolle Zeit unnötig zu verbrauchen, ist viel größer. Zudem verringert sich das eigene Gefühl darüber, was jetzt noch Sinn macht oder nicht. Keiner kann müde noch wirklich gute Entscheidungen treffen. Abstand, eine Nacht drüber schlafen, Abschalten – sind die eigentlich Dinge, die wir in diesen Fällen tun sollten.

Wahre Superhelden brauchen keinen Umhang

Die wahren Superhelden in unseren Team können sich eingestehen, wenn sie etwas nicht wissen. Sie sind bereit andere zu fragen bzw. zu helfen, wenn ihre Teamkollegen nicht weiterkommen. Die Offenheit ständig neue Dinge zu lernen, macht sie fit für die Zukunft. Der Perspektivwechsel hilft beim Verstehen. Sie bewerfen Probleme nicht mit Zeit, sondern überlegen bereits wie sie schneller zum Ziel kommen können.